Autor: janosch

  • Das große Fest im Gaumen – gute Gewürze

    Das große Fest im Gaumen – gute Gewürze

    Sendungshinweis: Radio-Reportage im Bayerischen Rundfunk BR 2 am
    24. Dezember 2020, 10.05 Uhr mit u.a. Dr. Manuela Mahn, Gewürzexpertin und wissenschaftliche Beraterin Deutsches Gewürzmuseum, Kulmbach

    Was wären die Sterne ohne Zimt, die Kipferl ohne Vanille und die Gans ohne Beifuß? Gewürze sind nicht nur zur Weihnachtszeit entscheidend für den guten Geschmack. Doch das klappt nur, wenn die Qualität stimmt (Quelle: Bayrischer Rundfunk). Eine Radio-Reportage von Ursula Klement, Redaktion: Landwirtschaft und Umwelt.

    Eigens für die Weihnachtssendung „Das große Fest im Gaumen – gute Gewürze“ interviewte Ursula Klement, Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk, Dr. Manuela Mahn, Gewürzexpertin und wissenschaftliche Beraterin des Deutschen Gewürzmuseums, vor authentischer Kulisse im Deutschen Gewürzmuseum im Kulmbacher Mönchshof. Diese gab dort ihr vielseitiges Wissen rund um die Welt der Gewürze preis.

    Darüber ist auch in dem von ihr sowie Apotheker Dr. Alexander Schenk veröffentlichten und im Museumsshop erhältlichen Buch „Naturgesund mit Gewürzen“ zu lesen. In dem im VGS-Verlag erschienenen Titel haben die fachkundigen Autoren viel Wissenswertes rund um die natürliche Kraft der Gewürze zusammengetragen, ergänzt durch praktische Tipps für die Gewürzküche sowie leckere Rezepte.

    Donnerstag, 24.12.2020
    10:05 bis 12:00 Uhr

    zur Webseite Bayern 2

  • Eine Feuerwehrleiter für das Bayerische Brauereimuseum

    Eine Feuerwehrleiter für das Bayerische Brauereimuseum

    „Ein Museum ist nie fertig…“

    … unter diesem Motto sammelt der Museumsleiter der Museen im Mönchshof, Bernhard Sauermann fleißig weiter Exponate, die die Geschichte um die Themen Bier, Brot und Gewürze erzählen. Was die jüngst „zugelaufene“ Feuerwehrleiter mit diesen Lebensmittelthemen zu tun hat, erklärt der Museumsleiter so: „Überall, wo das Thema `Feuer` eine nicht unbedeutende Rolle spielt, wie vor allem bei der Herstellung von Brot und Bier, ist seit dem Mittelalter auch der Feuerschutz nicht wegzudenken. Mit Beginn der Industrialisierung um 1870 gewinnen dann neben den kommunalen auch die Werksfeuerwehren zunehmend an Bedeutung, so gerade auch in Kulmbach“.

    Vorbesitzer der hölzernen Leiter war Herbert Meisel, der dem Mönchshof als Stammtischmitglied der „Roten Kastanie“ sehr verbunden ist. Vermittelt hat die Übergabe der frühere Feuerwehrkommandant Hans Biedermann, ebenfalls Stammtischmitglied. Er weiß zu der Leiter, einer „Fallhakenleiter“, die von den Werksfeuerwehren bereits in den 1920er Jahren benutzt wurde, dass man sie seitlich am pferdebespannten Leiterwagen transportiert hat und dass bei diversen Feuerwehrübungen genau geprobt wurde, wer an welcher Position beim Aufstellen der Leiter welchen Handgriff zu verrichten hatte: „Es wurden vier Mann gebraucht, um sie aufzustellen“.

    Nicht nur die Brauereien und die Mälzereien mit ihrem offenen Feuer pflegten solche Feuerwehrleitern in ihrem Bestand, sondern auch die Fleisch- und Wurstwarenfabrik Sauermann. „Deren letzte Fallhakenleiter ist schließlich im Deutschen Museum in München gelandet“, weiß Hans Biedermann zu berichten.

    Nach der nötigen Konservierungsarbeit, die der Museumsleiter umgehend durchführen will, soll die Leiter im Bayerischen Brauereimuseum am Ende des Rundganges, kurz vor dem Übergang in die „Gläserne Brauerei“, ihre endgültige Position finden. „Die Leiter ist ein weiterer Mosaikstein der vielfältigen Kulmbacher Stadtgeschichte, die wir im Mönchshof gerne zusammentragen“, freut sich Bernhard Sauermann, der die Kulmbacher zudem ermuntern möchte, ihm ihre historischen Schätze für die Museen anzuvertrauen, bevor sie einst auf dem Sperrmüll landen: „Dass alles gleich den Weg in eine unserer Ausstellungen finden kann, kann  ich nicht garantieren, aber wenn sich die neuen Pretiosen didaktisch und vom räumlichen Platzbedarf her unterbringen lassen, machen wir das von Herzen gerne.“

  • Sternekoch Alexander Herrmann packt mit an

    Sternekoch Alexander Herrmann packt mit an

    Heute koch‘ ich – morgen brau‘ ich: besonderer Gast braut besonderes Bier

    Sternekoch Alexander Herrmann packt in der Gläsernen Museumsbrauerei des Bayerischen Brauereimuseums tatkräftig mit an

    Heute koch‘ ich – morgen brau‘ ich: “Ich bin begeistert, der heutige Brautag hat mir riesig Spaß gemacht und war zudem sehr lehrreich für mich“, erklärte der Sternekoch anlässlich des Brautermins im Mönchshof.

    Zusammen mit Sebastian Hacker, Diplom-Braumeister der Gläsernen Museumsbrauerei des Bayerischen Brauereimuseums, braute er ein besonderes Hellbier: das „Grand Condé“, ein handcrafted Nutty Pink Aperó, gebraut nach dem Bayerischen Reinheitsgebot.
    „Grand Condé“ – handcrafted Nutty Pink Aperó
    Das „Grand Condé“ kann als Diamant unter den besonderen Bieren der Genussregion Oberfranken bezeichnet werden. Handgefertigt in Zusammenarbeit zwischen Alexander Herrmann und Diplom-Braumeister Sebastian Hacker in der Gläsernen Museumsbrauerei des Bayerischen Brauereimuseums im Kulmbacher Mönchshof strahlt es wie sein Namensgeber und weltweit einzigartiger Diamant, der „Grand Condé“, in berauschendem, herbstlichem, nussfarbenem Rosa, das gleichzeitig die Leichtigkeit des hellen Bieres bereits in der sanften Karamell- und Fruchtaromanote seines Duftes erahnen lässt.

    Nach malzbetontem Antrunk umspielen feine Aromen von Brombeeren, Waldbeeren und einem Hauch an Kastanie und Dörrobst geschmeidig den Gaumen. Sie werden eingewoben in ein zierliches Band aus exklusiven Hopfensorten: der Hallertauer Callista und der Hallertauer Sorachi Ace. Die feine und doch betonte Hopfennote entwickelt sich langsam und bietet so den Raum, um mit dem „Grand Condé“ immer wieder neue Geschmacks- und Genusserlebnisse zu erfahren.
    Wer dieses Bier verkosten möchte, kann dies in den Restaurants Fränk’ness und Imperial by Alexander Herrmann in Nürnberg tun. 

  • Viele Exponate von der Bäckerei Stamm

    Viele Exponate von der Bäckerei Stamm

    Aufstieg und Ende einer Kulmbacher Bäckerdynastie
    – lebendige Geschichte und Geschichten

    Die Lichter sind längst ausgegangen, der Backofen ist kalt und staubig. Das stattliche Haus der Bäckerei Stamm im Kressenstein wird von den Erben verkauft.

    Die Brüder Hermann und Holger Stamm leben schon seit längerem nicht mehr in Kulmbach und lösen nun den „Hausstand“ auf. Beide sind begeistert vom Bayerischen Bäckereimuseum in Kulmbach und haben deshalb den Museumsleiter Bernhard Sauermann eingeladen, sich mit ihnen gemeinsam die noch verbliebenen Gegenstände anzuschauen, um wichtige Zeit-Zeugnisse des Bäckerhandwerks auszusuchen. Diese Exponate wollten sie dann gerne dem Bäckereimuseum im Kulmbacher Mönchshof überlassen.

    Bernhard Sauermann war in seinem Element – er durfte das Haus vom Dachboden bis in die unterste Etage „durchstöbern“ und hat „dicke Beute“ gemacht: von Backblechen (mit einem dazugehörigen Transportwagen), verschiedensten Kuchenformen, Tortenplatten, Förmchen für allerlei Plätzchen und sonstigen Utensilien für Feinbäckerei über Messer, Messlöffel und Reibeisen bis hin zu Brot- und Brötchenschiebern und letztlich auch einem Werbeschild des alten „Stamm‘schen Bäckerfahrrads“.

    Auf der Suche nach wichtigen Zeugnissen des traditionsreichen Bäckerhandwerks (von links Prof. Hermann Stamm, Museumsleiter Bernhard Sauermann und Holger Stamm) konnte so manches zusammengetragen werden, was die Exponate-Sammlung des Bayerischen Bäckereimuseums in Zukunft bereichern wird.- Foto: Sigrid Daum-Sauermann

    Besondere Schmankerl hatten die Gebrüder Stamm bereits vorweg für den Museumsleiter zusammengestellt: Rezeptsammlungen für Bäckerei und Konditorei aus verschiedenen Jahrzehnten vom Vater, Großvater und Urgroßvater. Tafeln, die in der Backstube als Arbeitsvorlage aufgehängt wurden und weitere Rezeptsammlungen in Form kleiner Büchlein – ein breiter Querschnitt bibliophiler Kostbarkeiten.

    Einen Überblick über die Personal- und Finanzbuchhaltung durch die jahrzehntelange Geschichte des Hauses Stamm geben die Mappe mit Lehrverträgen, die Lohnbücher, aber auch die Tageseinnahmebücher, Kassenbücher und Wareneingangsbücher.

    Den wesentlichen Anteil der Exponate wird Sauermann gerne in die bestehende Inszenierung der Backstube im Herzen des Bayerischen Bäckereimuseums integrieren.

    Geschichten zu den Exponaten

    „Es ist von großem Vorteil, wenn man die Exponate sozusagen aus erster Hand bekommen kann, weil man auch die Geschichten dazu erfährt, die sie erzählen – das macht sie lebendig“, weiß Bernhard Sauermann. „wie zum Beispiel der alte Backofen mit seiner kleinen blauen Glastafel, die auffordert, Brot und Semmeln auch da einzukaufen, wo einem der private Kuchen gebacken wird.“

    Hermann Stamm verriet uns dazu, dass sein Großvater Adam der Urheber dieser Tafel war. Jeden Samstag durften die Leute aus der Nachbarschaft bei ihm nach der Arbeit in der Backstube die Restwärme des Backofens nutzen, um darin ihre selbstgefertigten Sonntagskuchen zu backen – kostenlos! Selbstverständlich ging man davon aus, dass die Nachbarn als Zeichen der Verbundenheit im Gegenzug treue Kunden der Bäckerei seien. Als Adam Stamm jedoch zugetragen wurde, dass einige der Nachbarn ihren täglichen Brot- und Semmelbedarf in anderen Bäckereien deckten, stimmte ihn das sehr ärgerlich und veranlasste ihn zu diesem Schild, das er gut sichtbar neben dem Backofen anbrachte „Wo man Deine Kuchen  backt recht fein – kauf dankbar auch Brot und Semmeln ein!“.

    Bernhard Sauermann bedauert, nicht auch den Backofen mitnehmen zu können, weil die Position in der Ausstellung bereits besetzt ist: „Der erkaltete Ofen brennt uns heute zu erzählen von Krieg und Frieden, von Hunger und Not und von Mangel und Überfluss“. Er brennt noch immer, weil sein Funke übergesprungen ist auf nachfolgende Generationen, wie zum Beispiel auf die beiden Brüder Stamm, und letztlich auch den Museumsleiter zum Glühen gebracht hat.

    Mit einem selbstgebastelten Schild wies Adam Stamm seine „lieben“ Nachbarn nachdrücklich darauf hin, dass er sich wünschen würde, dass man sein Entgegenkommen mit Kundentreue honorieren würde. – Foto: Sigrid Daum-Sauermann

    Zur „Verstärkung“ hatte Sauermann seine Frau mit zu dem Termin mitgenommen, die den Aufbau des Bäckereimuseums federführend geleitet hatte. Sie sollte mit ihrem fachkundigen Blick helfen, unter dem Motto „die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“ diejenigen Exponate herauszufiltern, die für das Museum relevant sind. Sigrid Daum-Sauermann zeigte sich besonders erfreut über einen kleinen Block von „Brotmarken“, den ihr die Brüder Stamm übergaben: „Lebensmittelmarken wie diese Brotmarken sind sehr selten zu finden – wir hatten bislang keine in unserer Sammlung. Sie wurden in der Regel in Notzeiten, vor allem im Krieg, an die Bevölkerung ausgegeben, um den allgemeinen Mangel an lebensnotwendigen Konsumgütern besser verwalten zu können. Sie wurden auch noch nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 eine Zeitlang ausgegeben, solange Nahrungsmittel noch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung standen.“

    Hermann Stamm erzählt dazu: „Eine Lebensmittelmarke ist ein von öffentlichen Behörden ausgegebenes Dokument zur Bescheinigung, dass der Besitzer ein bestimmtes Lebensmittel in einer bestimmten Menge kaufen darf – ohne Marke, kein Brot. Die Bäcker waren dazu angehalten, Brot ausschließlich gegen Marken abzugeben – Zuwiderhandlungen waren (vor allem in Kriegszeiten) mit drastischen Strafen belegt. Mein Großvater hatte ein gutes Herz und half trotzdem so gut er konnte mehr als einmal, wenn Familien Hunger litten, ihnen aber die Brotmarken ausgegangen waren – ein riskantes Unterfangen.“

    Ein stattliches Gebäude und jede Menge Familiengeschichte

    Sauermann ist bekanntermaßen „immobilienaffin“ und schwärmt von dem postbarocken Gebäude im Markgräflerstil, in dem über Jahrzehnte professionell gebacken wurde: „Nicht nur handliche Exponate erzählen uns etwas zur Firmengeschichte, sondern auch das Gebäude im Kressenstein ist ein wichtiges Zeit-Zeugniss des Bäckerhandwerks. Der Begriff ‚Stammhaus‘ gewinnt eine neue Bedeutung – zum einen gehörte es der Familie Stamm, zum anderen  war es das Stammhaus einer stattlichen Bäckerdynastie“.

    Der Standort des ehemaligen „Bayreuther Stadttores“ ist am Gebäude Kressenstein 28 noch gut abzulesen, da es deutlich vor die Straßenflucht tritt – Foto: Sigrid Daum-Sauermann

    Sauermann weist darauf hin, dass hier der Standort des ehemaligen Bayreuther Tores war, das die Stadt nach Westen hin abschloss: „Das imposante Sandsteinquader-Gebäude mit Mansarddach wurde 1811 als Wohnhaus errichtet. Ab 1866 wurde darin eine Präparandenschule eingerichtet, das heißt, dort konnten sich Schüler nach dem Ende der Volksschule zur Ausbildung zum Volksschullehrer vorbereiten lassen.“

    1907 beginnt sich die Familiengeschichte der Stamm-Dynastie in dem Gebäude Kressenstein Nr. 28 zu etablieren.  Hermann Stamm: „Mein Urgroßvater Ferdinand Stamm kauft das Haus, um darin eine Bäckerei mit Konditorei einzurichten. Ferdinand war eine imposante ‚Gründervater-Figur‘.

     

    Der Gründer des Stamm´schen Familienunternehmens Ferdinand Stamm mit seiner Gattin Frederike

     

    Er führt das Unternehmen mit großem Erfolg und hatte als Nachfolger seinen Sohn Heinrich im Auge, den er zu diesem Zweck auch entsprechend ausbildete. Heinrich Stamm hatte Geschick und freute sich auf die Aufgabe, bald den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Der Krieg zerstörte, wie in vielen Familien, die Zukunftspläne, Heinrich fiel 1918 im ersten Weltkrieg  auf dem Schlachtfeld – er starb übrigens an der Front als Brotausträger für die Schützengräben durch eine Granate.

    Eine Ehrenurkunde von der Stadt Kulmbach für die Hinterbliebenen  gehört ebenfalls zu dem Konglomerat, das wir dem Bäckereimuseum überlassen.“

    Nun musste kurzerhand sein Bruder Adam (der Großvater der Brüder Hermann und Holger Stamm) in die Bresche springen, der die Aufgabe sehr gewissenhaft übernahm – seine akribisch geführten schriftlichen Unterlagen geben Zeugnis von der Ernsthaftigkeit, mit der er sie ausführte. „Unter seiner Leitung entwickelte sich die Bäckerei Stamm zur Versuchsbäckerei der Firma Ireks und die Bäckerei Stamm  hat auch die ersten Prototypen von Softeis für die heutige Firma Lumen mit großem Erfolg verkauft“, erzählt Hermann Stamm mit gewissem Stolz.

    „Für meinen Vater Hans war von Anfang an klar, dass er die Bäckerei, den Laden sowie das zwischenzeitlich hinzugekommene Café weiterführen will – tatkräftig unterstützt von meiner Mutter Hildegard, so Hermann Stamm. Sigrid Daum-Sauermann konnte sich gut an die hervorragende Qualität der Backwaren erinnern: „einen beachtlichen Teil meines Taschengeldes trug ich in den Bäckerladen auf meinem Weg zur staatlichen Realschule in der Pestalozzistraße und tauschte ihn gegen leckeren ‚Bienenstich‘ für die große Pause ein.“

    Hans Stamm investierte in eine neue Einrichtung für den Laden, die von der heimischen Firma Schrutka eingebaut wurde.- Foto Archiv Bayerisches Bäckereimuseum

    Hans Stamm war nicht nur ein begnadeter Bäcker, sondern hatte auch bemerkenswerte künstlerische Talente. Holger Stamm erinnert sich: „Unser Vater hat früher sehr gut Geige gespielt (sein Vorbild war Helmut Zacharias) und auch ein bisschen Schlagzeug. Er  konnte auch gut malen und zeichnen. Als er in den 2. Weltkrieg musste, war es aber danach vorbei mit Geige oder Kunst. Im Rentenalter hat er dann nochmal angefangen zu malen.“ 

    Hermann und Holger Stamm mussten beide das Bäckerhandwerk erlernen, wie es zur damaligen Zeit noch durchaus üblich war, wenn es darum ging, die Nachfolge für einen Familienbetrieb zu sichern. Gleichzeitig wurden sie aber von den Eltern dahingehend unterstützt, bei Ihrer endgültigen Berufswahl vor allem ihren ureigenen persönlichen Wünschen und Neigungen  genügend Raum zu lassen.

    Hans und Hilde Stamm führten die Bäckerei mit Café bis Oktober 1990, dann verpachteten sie die Bäckerei (aus gesundheitlichen Gründen – Hans Stamm hatte einen Schlaganfall) an Bäckermeister Dieter Neuber und Frau Ingrid.  Danach waren Bäckerei und Laden in verschiedenen Händen, zuletzt bei Mary Desik. Ihrer Vollwertpfanne mit vegetarischem, „handgefertigtem“ Mittagsimbiss trauern noch heute viele Kulmbacher nach.

    Das Café übernahm 1990 Günter Doppel das Café , 2014 die Pächterin Sabine Eichner und die aktuelle Pächterin Katja Jochim,  die das  es als „Alpha Café“,  als einen „gemütlichen Ort zum Frühstücken und Verweilen“,  betreibt.

    Die Bäckerbuben in modernen Zeiten

    Beide, Hermann und Holger Stamm hatten nicht nur die Liebe zum Bäckerhandwerk von ihrem Vater geerbt, sondern auch seine künstlerischen Gene.

    Hermann Stamm hat ein Studium als Grafik-Designer hinter sich (Schwerpunkt Kommunikation/Fotografie). Mit einem Abschluss als Diplom-Designer ist er heute ein bedeutender deutscher Fotokünstler und Professor für Visuelle Kommunikation und Fotografie an der Bauhaus-Universität in Weimar (seit Oktober 2019 emeritiert).

    Seit 1977 sind seine Arbeiten bei zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen und seine Liste diverser Preise ist lang. Lehraufträge, Vortragstätigkeit, Workshops an verschiedenen Hochschulen führten ihn durch ganz Deutschland – immer wieder auch zurück nach Kulmbach, seiner Heimatstadt.

    Sigrid Daum-Sauermann zu Stamms Publikationen: „Hermann Stamm hat schon vor Jahrzehnten Bilder gemacht, die ihn als kritischen Zeitzeugen politischen Geschehens dokumentieren – auf den ersten Blick ähneln sie den heutigen Selfies, an die damals noch niemand dachte.“

    Es gibt über 6000 Selbstportraits, die er nunmehr seit 45 Jahren als Dokument der Zeitgeschichte.

    Sieht aus wie ein Selfie, ist aber Kunst: Hermann Stamm hat sich hier als „fragender Zeitzeuge“ am 1. Mai 1986 in West-Berlin vor dem Chaos fotografiert, das er nach der heftigen Demonstration in Kreuzberg vorfand. – Foto: Hermann Stamm

    Holger Stamm hat vor allem die musikalische Ader des Vaters geerbt – er ist Gitarrist geworden – und das auch mit Bedeutung über den „Kulmbacher Tellerrand“ hinaus. Er gehörte einst als regionaler Star zur Rockszene der 70er im oberfränkischen Raum und dann  zum Urgestein der Nürnberger Musik-Szene.

    Holger Stamm: „Mit acht Jahren fing ich an, Klavier zu lernen, klassischen Unterricht, fünf Jahre lang. Aber da hatte ich noch nicht den Wunsch, Musiker zu werden. Mit 13 wechselte zur Gitarre. Das war die Zeit von Hendrix, Deep Purple und  Alvin Lee – das hat mich sehr begeistert. Mit 13 dann die erste Band: “The minis“.
    Schier endlos ist die Liste der Bands, in denen er gespielt hat – von den local heros „Vampires“ und „Geisha“ über die Nürnberger Art-Rock-Gruppe „Kaminski United“, von „no drums“ bis zur „Wundertüte“. Seine Vielseitigkeit ist erstaunlich – er schrieb Filmmusik für das Bayerische Fernsehen, arbeitete mit Katja Ebstein, mit Mary Roos, Peter Kraus, Costa Cordalis und Roberto Blanco, hatte einige Weihnachts-Auftritte mit Enrico de Paruta und Valerie May, aber auch Gigs mit dem Blues-Urgestein Klaus Brandl.

    Außerdem produzierte er einige sehr interessante CDs, wie z. B. „Go Lep-Lai-Lai“, eine akustische Reise durch Thailand, oder „Die drastischen Monastrischen“, bei der er sämtliche Gitarrenparts selbst übernahm.

    Hermann Stamm: „Auch ich habe übrigens Schlagzeug gespielt und war neben einem Engagement bei den Vampires bei den Kulmbacher Bands Tin Sin and Wire und Airport Drummer. Zuletzt war ich Drummer in unserer Professoren Band in Weimar an der Bauhaus Uni. Als alternde Rockstars spielten wir die 80ziger rauf und runter.“

    Zwischen diesen beiden Fotografien liegen gut 50 Jahre. Links: Holger Stamm 1969 als 13-Jähriger bei seiner ersten Band The Minis. Rechts: Der Nürnberger Gitarrist heute. Damals war er schon der Schwarm der Kulmbacher Mädels – Holger Stamm, der von Klavier auf die „coole Gitarre“ umgestiegen war – seinen Charme hat er sich bis heute bewahrt – Fotos: Holger Stamm

     

    Beide „Bäckerbuben“ blicken heute auf ein erfülltes Künstlerdasein, das sie  „draußen in der Welt“ führten und noch führen. Aber beide pflegen und lieben auch ihre Kulmbacher Wurzeln. Für sie ist es nun an der Zeit, das Kapitel „Bäckerei Stamm“ zu schließen und den Weg frei zu machen für eine gedeihliche Zukunft des Anwesens im Kressenstein. Man darf gespannt sein, was der potentielle Käufer daraus macht.

    Dass die Geschichte der „Bäckerdynastie Stamm“ nicht verloren geht, dafür haben die Brüder Stamm gesorgt, indem sie die historischen Zeugnisse  dem Archiv des Bayerischen Bäckereimuseums im Mönchshof überlassen haben. Museumsleiter Bernhard Sauermann: „Bei uns sind die Exponate höchst willkommen, werden nicht nur registriert und sorgfältig aufbewahrt, sondern weitestgehend in die bestehende Ausstellung integriert werden.“

    Mehr „Geschichte und Geschichtla“ aus der Bäckerei Stamm kann man in Kürze im Museum im Mönchshof (4. Stock) aus erster Hand erfahren: der Museumsleiter hat die beiden „Bäckersbuben“ eingeladen, dort „aus dem Nähkästchen zu plaudern“ – sicher ein Vergnügen. Selbstverständlich alles nach Corona-tauglichen Maßstäben.

  • Wie kam die Kartoffelpresse über die Grenze?

    Wie kam die Kartoffelpresse über die Grenze?

    Eine deutsch/deutsche Geschichte über Flucht, neue Heimat und Wiedervereinigung auf Raten

    Von Sigrid Daum-Sauermann

    „Jeden Sonntag gab es Klöße und meistens dazu einen Karnikelbraten“, erinnert sich Edeltraud Gerlinger, als sie und ihr Mann mit allerlei Küchenutensilien bei Bernhard Sauermann, dem Museumsleiter im Mönchshof, ankam. Es waren ihr wertvolle Gegenstände aus ihrer thüringischen Heimat, von denen sie sich nun trennen wollte. Im Gepäck hatte sie neben einem tönernen Topf zum Einmachen von Gurken, einem Honigtopf und einem Schmalztopf alles, was eine tüchtige thüringische Hausfrau zum Klößemachen braucht: die große Reibe und die Schüssel, in die am Sonntag die Kartoffeln gerieben wurden sowie die hölzerne Kartoffelpresse mit den dazugehörigen Säckchen für die geriebene Kartoffelmasse und nicht zu vergessen, den Quirl. „Oft sind es die kleinen Dinge, die große Geschichte schreiben“, resümiert Bernhard Sauermann. „Sie berichten von Menschen, ihren großen und kleinen Nöten und ihrem Glück. Von daher sind sie es allemal wert, mit ihrer Botschaft im Museum zu überdauern“.

    Edeltraud Gerlinger erinnert sich: „Schon am Samstag begannen die Vorbereitungen und die damit verbundene Aufregung. Wir Töchter mussten die Kartoffeln schälen. Berge von Kartoffeln, denn die Klöße mussten für zwei Tage reichen. Und zwar nicht irgendwelche Kartoffeln, sondern sie mussten eine ganz bestimmte Konsistenz und Färbung haben – nicht zu fest und schön goldgelb wollte sie meine Mutter haben.“ Man sieht es ihr an, dass sich die Begeisterung der Mädels damals wohl in Grenzen gehalten hat.

    „Und jeden Sonntag waren wir von neun bis vierzehn Uhr mit der Zu- und Nachbereitung des Mittagessens in der Küche beschäftigt. Zuerst wurden zwei Drittel der rohen Kartoffeln gerieben. Wie oft gab es dabei blutige Finger… und ein Drittel der Kartoffeln wurde mit Salz zu einem Brei gekocht.“ Dann wurden die geriebenen Kartoffeln nach und nach portionsweise in die Baumwollsäckchen gefüllt und mit der hölzernen Kartoffelpresse  die Flüssigkeit herausgepresst. Zu der nun trockenen Kartoffelmasse gab man die zurückgebliebene Kartoffelstärke dazu, brühte dies mit dem heißen Kartoffelbrei und vermengte alles mit einem großen hölzernen Quirl zu einem lockeren Kloßteig. „Dieser Quirl wurde sehr in Anspruch genommen und hielt immer nur etwa ein Jahr. Jedes Jahr wurde der Christbaum danach ausgesucht, ob der Stamm eine Reihe Zweige aufwies, aus denen sich gut ein Quirl schnitzen ließ.  „Es war eine Wissenschaft für sich, genau soviel Wasser zuzugeben, dass der Teig weich genug war für die „richtigen Thüringer Klöße“, die fast auseinanderfließen sollen, aber eben nur fast.

    Die Familie lebte in Arnsbach, das liegt zwischen Saalfeld  und Probstzella. Der Vater von Edeltraud Gerlinger, Walter Schütze, hatte dort ein stattliches Säge- und Hobelwerk mit Holzgroßhandlung, bis er im Juli 1949 von der sowjetischen Besatzungsmacht inhaftiert und enteignet wurde. Die Haftbedingungen waren hart und Walter Gerlinger wurde krank und als „nicht haftgeeignet“ in den gesicherten Trakt des Krankenhauses in Saalfeld  gebracht.

    Der 7. Oktober 1949 brachte eine weitere Aufregung in das Leben der thüringischen Familie. Der 2. Deutsche Volksrat erklärte sich zur Provisorischen Volkskammer und setzte die Verfassung der DDR in Kraft, womit die Deutsche Demokratische Republik gegründet war und unverzüglich mit der Abriegelung ihres Hoheitsgebietes begann.

    Es war der 9. November 1949 als Edeltraud  bei Nacht und Nebel mit ihrer Mutter und ihrer Schwester ihren Heimatort Arnsbach  verließ. Sie „befreiten“ Walter Schütze,  um in einer mühsamen Route erst einmal über Ost- nach Westberlin zu gelangen. Wegen der zu erwartenden Kontrollen auf dem Territorium der soeben gegründeten Deutschen Demokratischen Republik musste die Familie darauf verzichten, außer den Kleidern, die sie am Leib trug, irgendwelche weitere Kleidung, Hausrat oder Einrichtungsgegenstände mitzunehmen. Den Kindern wurde eingeschärft, nichts zu sagen, wenn Beamte der Volkspolizei sie fragen würden. Die damals 8-jährige Edeltraud spürt heute noch die große Last, die ihr damit aufgebürdet wurde, denn wäre die Flucht aufgeflogen, hätte das für die Familie wegen Republikflucht Internierung oder Schlimmeres bedeutet.

    Von Westberlin führte ihre Flucht dann per Luftbrücke nach Frankfurt am Main und von dort per Bahn nach Kulmbach in die Blaich. Der damalige Kulmbacher Polizeichef Ernst Pongratz und seine Familie gewährten den Flüchtlingen in ihrer Wohnung Unterkunft  und die beiden Mädchen gingen fortan in die Blaicher Schule. Edeltraud Gerlinger erinnert sich noch dankbar an diese Zeit: „ Die großzügige Unterstützung der Familie Pongratz hat meinen Eltern und uns Kindern wieder `auf die Beine geholfen` und die  Schulspeisung hat uns das Überleben gesichert. Der Hausmeister mochte uns. Er wusste, dass wir absolut mittellos waren und gab uns immer noch ein bisschen was für zuhause mit.“

    Sehr gut konnte sie sich noch an „die gute Blutwurst von Sauermann“ erinnern und an die leckeren Schweinshaxen ,was den Museumsleiter außerordentlich erfreute.

    Der Vater von Edeltraud Gerlinger, Walter Schütze, hatte in Arnsbach ein stattliches Säge- und Hobelwerk mit Holzgroßhandlung wegen der Enteignung zurücklassen müssen. In Kulmbach war er arbeitslos. Durch Zufall bekam er Kontakt zu Geheimrat Fritz Hornschuh, der in Mainleus auch ein Sägewerk besaß. Ihn konnte er in holztechnischen Fragen gut beraten. Das Honorar dafür nutzte er als Startkapital, um sich in Döllnitz die Schneidmühle zu pachten und einen Holzhandel zu beginnen. 1955 gründete er dann in Krummefohre eine Fabrik, in der er Holzgestelle für Polstermöbel im Coburger Raum herstellte.

    Anfänglich wohnte die 4-köpfige Familie Schütze in der Döllnitzer Mühle in 1 ½ Zimmern und konnte aber bereits 1953 in der Siedlung Mannsflur zu einem eigenen Häuschen gelangen, dessen Haushalt Edeltraud Gerlinger nun auflöste und einige Stücke davon den Museen im Mönchshof übergab.

    Bleibt nur noch die Frage, wie kamen diese Sachen aus Thürigen nach Oberfranken? „Während des ersten Sommers in Kulmbach waren die Grenzen noch nicht überall durch Zäune gesichert, sondern es gab Patroullien. Unsere zurückgebliebene Verwandtschaft in Thüringen hatte ausgekundschaftet, dass es ein Zeitfenster von etwa 1 Stunde gab, in der die Grenze der thüringisch/bayerischen an einer bestimmten Stelle bei Falkenstein (Probstzella/Lauenstein) unbewacht war. Dorthin sind wir dann Sonntag für Sonntag mit ein bisschen Brotzeit „zum Heidelbeerenpflücken“ gefahren, das war jedes mal ein kleines Familientreffen mit den Verwandten aus dem Osten. Dabei hat meine Großmutter immer etwas aus unserer ehemaligen Wohnung mitgeschleppt, soviel sie tragen konnte. Eine Wiedervereinigung auf Raten mit unserem Hausrat. Einmal war es eine Schreibmaschine, einmal eine Standuhr und ab und zu Küchengeräte, wie zum Beispiel die ganz wichtige Kartoffelpresse. Nun konnte es Sonntags wieder Thüringer Klöße geben, ganz wie in der ehemaligen Heimat.

    Das Ehepaar Edeltraud und Karl Gerlinger (Mitte) „beliefern“ die Museen im Mönchshof mit allerlei historischem Hausrat, der eine ganz eigene Geschichte der Wiedervereinigung erzählt. Mit im Bild Karola Helm, Verantwortliche für das Museumspädagogische Zentrum und Eventmanagerin der Museen im Kulmbacher Mönchshof (links) und geschäftsführender Museumsleiter Bernhard Sauermann.

  • Flyer Museen im Mönchshof

    Kurzinfo zu unseren drei Museen auf einen Blick

  • Focaccia Wettbewerb 2020

    Focaccia Wettbewerb 2020

    Focaccia Wettbewerb 2020

    Die Jury

    Uschi Prawitz (Juniorakademie Museen im Mönchshof), Ingrid Flieger (Landratsamt Kulmbach), Stephan Pröschold (Leiter Stadtwerke Kulmbach), Dr. Helga Metzel (GF Museen im Mönchshof), Alexander Müller (Bayerische Rundschau) und Norbert Heimbeck (GF Genussregion Oberfranken) (v.l.n.r.) waren begeistert von der Kreativität und dem Ideenreichtum der eingesandten Beiträge.

    „Zeigt uns euren Focaccia-Garten“ – so lautete der Aufruf der Juniorakademie zu unserem Backwettbewerb.

    Wir freuen uns, daß wir uns bei allen Teilnehmern mit schönen Sachpreisen bedanken können – denn DEN einen Sieger kann es bei so vielen tollen Einsendungen gar nicht geben! Alle Teilnehmer wurden und werden schriftlich benachrichtigt. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an unsere Sponsoren, die uns großzügig unterstützt haben:

    Bayerische Rundschau, Stadtwerke Kulmbach, Landratsamt Kulmbach


    Klara Moser


    Jasmin Prawitz


    Fabian und Sofia Schulz


    Finja Strobel


    Niclas Strobel


    Lina-Marie Bergmann


    Mia Sonntag


    Sam-Leo Kirchner


    Hanna Salzer


    Hannes Schuster


    Helena Müller


    Maria Müller


    Klara Schwarz

  • Flyer Bayerisches Brauereimuseum

    Alle Infos rund ums Brauereimuseum im handlichen Format.

  • Flyer Deutsches Gewürzmuseum

    Alle Infos rund ums Gewürzmuseum im handlichen Format zum Ausdrucken.

  • Flyer Bayerisches Bäckereimuseum

    Alle Infos rund ums Bäckereimuseum im handlichen Format zum Ausdrucken.